Steigerung von Unternehmenswert und Profitabilität durch strategisches Kostenmanagement in der Transportindustrie

2/28/2024
  • Neue Insights
  • Die Optimierung der strategischen Kostenbasis rückt aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage stärker in den Fokus der Management Teams.
  • Unternehmen der Transportindustrie zeigen starke Unterschiede in den Kostenstrukturen zwischen und innerhalb Bereiche auf, was die Notwendigkeit eines maßgeschneiderten Ansatzes zur Kostensenkung hervorhebt.
  • Zu den wesentlichen Hebeln der Kostenoptimierung zählen Portfoliomanagement, Personaleinsatz sowie Arbeitsproduktivität, Automatisierung, Instandhaltung, Anlagenproduktivität, Energie- und Kraftstoffmanagement, Beschaffungsmanagement und Einsatzplanung.

Aufgrund der sich seit 2023 eintrübenden Wirtschaftslage steht das Thema strategisches Kostenmanagement nun wieder weit oben auf der Tagesordnung des Managements. Andere wesentliche strategische Themen wie Fachkräftemangel, Umsatzwachstum, Digitalisierung, Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit werden dem strategischen Kostenmanagement untergeordnet.

Transport- und Logistikunternehmen müssen aktuell Wege finden, um die eigene Kostenbasis strategisch neu auszurichten und somit die eigene Finanzkraft und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Unternehmen der einzelnen Segmente (z.B. Bahn, LKW, Schiff oder Flugzeug) müssen nicht nur untereinander, sondern auch mit anderen Verkehrsträgern um Marktanteile konkurrieren. Die aktuelle Situation am Markt zeigt auf, dass Management Teams konsequente und individuelle Ansätze für das strategische Kostenmanagement entwickeln müssen, um einen nachhaltigen Erfolg sicherzustellen. Im Gegensatz zu Unternehmen in anderen Branchen, z. B. im verarbeitenden Gewerbe, haben die meisten Unternehmen der Transport- und Logistikindustrie kein kontinuierliches strategisches Kostenmanagement etabliert. Aus unserer Erfahrung heraus, kann die Einführung eines systematischen und strategischen Ansatzes oft zu erheblichen Kosteneinsparungen führen - in einer Größenordnung von 10 bis 20 %.

Herausforderungen und Kostensenkungshebel

Unsere Untersuchung der Kostenstrukturen von ausgewählten Transportunternehmen zeigt deutliche Performanceunterschiede zwischen und innerhalb der einzelnen Segmente der Transportindustrie. Zentrale Herausforderungen bestehen insbesondere im Portfoliomanagement, Standortnetzwerk, Personalkosten, ineffizienten Unterstützungsprozessen, kaum standardisierten Instandhaltungssystemen, hohen Fixkosten sowie hohe Kapitalbindung durch langfristige Investitionen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzen führende Unternehmen auf eine Vielzahl von Hebeln zur strategischen Kostensenkung ohne wesentliche Kernkompetenzen und Differenzierungsmerkmale durch pauschale Kostensenkungen zu beschädigen:

Portfoliomanagement: Deckungsbeitragsbetrachtung und Einflussanalysen von einzelnen Kunden auf die Gesamtstrukturen (u.a. Netzwerk, Komplexität und Volumen). Teilweise können einzelne Kunden aufgrund der von ihnen ausgelösten Komplexität oder geringer Profitabilität die Ertragskraft eines Unternehmens nachhaltig negativ beeinflussen. Mögliche Optionen bestehen in Preisanpassungen, Vergabe an Unterauftragnehmer sowie einer Kündigung bestehender Verträge.

Standortnetzwerk: Überprüfung der Effizienz, strategischen Relevanz sowie kritischen Größe von Standorten oder Landesvertretungen zur Justierung der Strukturkosten im Operating Model.

Arbeitsproduktivität: Erhöhung der wertschaffenden Auslastung des operativen Personals (insb. Fahrer, Lager, Werkstatt) durch Verringerung von unproduktiven oder „Low-Value“-Aufgaben. In den Unterstützungsbereichen Sales-, General- and Administrativen-Bereichen)) sind Prozessoptimierung, Digitalisierung, Reduktion von Organisationsstrukturen, Einführung von Budgets sowie die Leistungssteigerung der IT-Landschaft wesentliche Optimierungshebel. Initiativen zur Produktivitätssteigerung können die Personalkosten um bis zu 20 % senken und Engpässe bei der Verfügbarkeit von geschultem Personal beseitigen.

Automatisierung und Technologie: Nutzung von Automatisierung, Plattformen und technologischen Innovationen (u.a. fahrerlose Transportsystemen. Der Einsatz kann sowohl in operativen Bereichen (u.a. Lager, Transportdurchführung) sowie in der Verwaltung erfolgen.

Instandhaltung: Durch die Überarbeitung von Instandhaltungsstrategien (z.B. zustandsorientierte Instandhaltung vs. intervallorientierte Instandhaltung) können Instandhaltungskosten um 10 bis 15 % gesenkt werden. Dieser Hebel zahlt auch maßgeblich auf die Thematik der Anlagenproduktivität ein.

Anlagenproduktivität: Die Steigerung der Anlagenproduktivität kann die Investitions- und Wartungskosten um mehr als 15 % senken. Wesentliche Hebel sind, die Kalibrierung des eingesetzten Equipments (eigenes Equipment vs. Subunternehmer) zur Abwicklung der Aufträge, die Reduktion von unproduktiven Zeiten (u.a. Ausfallzeiten, Wartezeiten) sowie die Erhöhung der Auslastung und Einsatzzeiten des Equipments.

Energie- und Kraftstoffmanagement: Der Energie- und Kraftstoffverbrauch kann durch ein transparentes Management System, Assistenzsysteme, Mitarbeiterschulungen und Anreizsysteme (u.a. Bonuszahlungen) um ca.> 5 Prozent gesenkt werden.

Beschaffungsmanagement: In vielen Transportunternehmen hat das Beschaffungsmanagement noch nicht den Reifegrad anderer Industrien erreicht. Die Optimierung der Beschaffung bietet zahlreiche Ansatzpunkte von der Optimierung der Beschaffung von Subunternehmen, Verbrauchsgütern oder Investitionsgütern mit ein. Neben den direkten operativen Kosteneinsparungen können auch die Abschreibungen durch günstigere Beschaffung von Investitionsgütern reduziert werden.

Einsatzplanung: Durch eine Verbesserung der strategischen und operativen Kapazitätsplanung können das Serviceniveau (Zeit, Qualität) erhöht werden, die Ausführungskosten reduziert (optimale Ausführung, kein Firefighting, Verbesserung der Auslastung) und strategische Investitionen zielgereichtet durchgeführt werden.