Forsa-Studie zu Investitionen: Mehr als die Hälfte der produzierenden Industrie plant vorerst keinen Aufbau neuer Produktion in Deutschland / Jedes dritte Unternehmen ab 100 Millionen Euro Umsatz verlagert oder baut ab
21. Oktober 2026
- FTI-Andersch

- Ergebnisse können als repräsentativ für Unternehmen der Branchen Automotive, Maschinen- und Anlagenbau sowie Energieintensive Industrie (Chemie, Papier, Keramik und Metall) ab 10 Mio. Euro Jahresumsatz angesehen werden
- 37 Prozent der kleineren Unternehmen unter 50 Millionen Euro Umsatz erwarten bis Mitte 2027 mehr Beschäftigte in Deutschland, 34 Prozent der größeren einen Abbau
- 42 Prozent der größeren Unternehmen restrukturieren oder planen dies, bei kleineren Unternehmen sind es neun Prozent
Standortunabhängig haben 67 Prozent der produzierenden deutschen Unternehmen angegeben, seit Anfang 2025 in den Ausbau von Produktionskapazitäten investiert oder dies für die kommenden zwölf Monate beschlossen zu haben. Im Maschinen- und Anlagenbau sind es sogar 76 Prozent. Auf Deutschland bezogen haben 32 Prozent bestehende Produktionskapazitäten erweitert, weitere 29 Prozent haben dies konkret geplant. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 65 Prozent eine gleichbleibende Geschäftslage, 26 Prozent eine Verbesserung, davon sechs Prozent eine deutliche. Neun Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.
Zu den weiteren häufigsten Investitionsfeldern der befragten Unternehmen zählen eigene Energieerzeugung oder Energieeffizienz (59 Prozent), die Absicherung oder Regionalisierung der Lieferkette (55 Prozent), KI-Anwendungen in der Produktion (46 Prozent) sowie Automatisierung und Robotik (43 Prozent, bei Unternehmen mit mehr als 100 Mio. Euro Jahresumsatz sind es 70 Prozent). Ein Viertel der Unternehmen (25 Prozent) hat sich mit Zertifizierungen, Anlagen oder Personal auf Aufträge aus dem Verteidigungsbereich vorbereitet.
„Die Mehrheit der deutschen Unternehmen investiert“, sagt Christian Säuberlich, Sprecher des Vorstands von FTI-Andersch und Country Leader von FTI Consulting in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH). „Allerdings zeigen die Forsa-Zahlen auch, dass ein Drittel nicht in den Ausbau von Produktionskapazitäten investiert. Die Mehrheit rechnet nicht mit einer besseren Geschäftslage im kommenden Jahr.“
Jedes fünfte Unternehmen reduziert Kapazitäten in Deutschland
Gänzlich neue Produktionskapazitäten in Deutschland haben 55 Prozent weder aufgebaut noch geplant, im Maschinen- und Anlagenbau sind dies sogar 57 Prozent. Dort planen auch 44 Prozent keine Erweiterung bestehender Kapazitäten.
Zugleich hat jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) Produktionskapazitäten in Deutschland reduziert oder dies beschlossen, in der energieintensiven Industrie ist es jedes dritte (33 Prozent). Bei größeren Unternehmen ab 100 Millionen Euro Jahresumsatz liegt der Anteil bei 31 Prozent, bei kleineren Unternehmen unter 50 Millionen Euro bei 18 Prozent. Ganze Produktionsstandorte in Deutschland haben elf Prozent geschlossen oder deren Schließung beschlossen. Bei den größeren Unternehmen sind es 30 Prozent, in der energieintensiven Industrie 15 Prozent.
„Über die Standortbedingungen wird seit Jahren diskutiert“, sagt Christian Säuberlich. „Die Forsa-Zahlen verdeutlichen, dass viele Unternehmen handeln oder bereits gehandelt haben: Wo sich ein Werk auch perspektivisch nicht mehr rechnet, wird Kapazität abgebaut, verlagert, verkauft oder der Standort geschlossen.“
Verlagerung ins Ausland: Kostenvorteile sind entscheidender als Bürokratie und Infrastruktur
Insgesamt haben 17 Prozent der Unternehmen seit Januar 2025 Produktionsschritte, ursprünglich in Deutschland geplante Investitionen oder zentrale Funktionen ins Ausland verlagert oder dies beschlossen. Bei größeren Unternehmen sind es 39 Prozent. 31 Prozent haben einzelne Produktionsschritte oder Produktlinien ins Ausland verlagert oder dies beschlossen. Mindestens eine dieser Auslandsaktivitäten haben in der energieintensiven Industrie 20 Prozent umgesetzt oder beschlossen, bei den Automobilzulieferern 16 Prozent, im Maschinen- und Anlagenbau elf Prozent.
Unter den Unternehmen mit Verlagerungsaktivitäten haben 48 Prozent in Asien (ohne China) investiert oder wollen dies tun, etwa in Indien oder Südostasien, 44 Prozent in Osteuropa, 41 Prozent in China und 21 Prozent in den USA (Mehrfachnennungen möglich). Als Einfluss auf die Entscheidung, Investitionen von Deutschland ins Ausland zu verlagern, nennen 83 Prozent dieser Unternehmen Kostenvorteile bei Energie und Löhnen als groß oder sehr groß. Es folgen eine bessere wirtschaftliche Perspektive im Zielland (63 Prozent), Förderungen oder Subventionen (44 Prozent) und Steuervorteile (42 Prozent). Weniger Bürokratie und schnellere Verwaltungsprozesse haben für 31 Prozent großen oder sehr großen Einfluss, eine bessere Infrastruktur für 13 Prozent.
„Die Verlagerung einzelner Produktlinien oder Bereiche ist noch kein Abschied vom Standort“, sagt Christian Säuberlich. „Im Gegenteil: Die meisten Unternehmen wollen nach wie vor in Deutschland präsent sein. Die betriebswirtschaftliche Lage hat vielfach zu einer deutlich stärkeren regionalen Diversifikation geführt. Und sie ermöglicht bei einer Verschlechterung hiesiger Standortbedingungen, weitere Bereiche nachzuziehen. Viele Unternehmen haben damit ihre Abhängigkeiten gesenkt.“
Beschäftigung und Umbau: Kleinere Unternehmen erwarten mehr Personal, größere bauen häufiger ab und restrukturieren
Bis Mitte 2027 erwarten 30 Prozent der Unternehmen mehr Beschäftigte in ihren Betrieben in Deutschland, 51 Prozent eine gleichbleibende Zahl. Der Aufbau findet vor allem bei Unternehmen mit weniger als 50 Millionen Euro Umsatz statt: 37 Prozent von ihnen rechnen mit zusätzlichem Personal, bei größeren Unternehmen ab 100 Millionen Euro Umsatz sind es nur neun Prozent. 19 Prozent aller befragten Unternehmen rechnen dagegen mit einem Abbau, bei größeren Unternehmen sind es 34 Prozent. „Das hat auch damit zu tun, dass wir bei den Unternehmen mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz deutlich häufiger Investitionen in Künstliche Intelligenz sowie Automatisierung und Robotik sehen“, sagt Christian Säuberlich. „Viele haben in den letzten Jahren zudem Arbeitskräfte aufgrund des Fachkräftemangels nicht freigesetzt, obwohl diese nicht ausgelastet waren. Das führt jetzt zu einem deutlich geringeren Bedarf an neuem Personal.“
Parallel haben 42 Prozent der größeren Unternehmen ein Restrukturierungsprogramm gestartet oder konkret geplant, bei kleineren Unternehmen neun Prozent. 24 Prozent der größeren Unternehmen kaufen Unternehmen oder Unternehmensteile zu, 21 Prozent verkaufen Geschäfts- oder Produktbereiche, 20 Prozent schichten Kapital in wachstumsstärkere Geschäftsfelder um. Zwei von drei größeren Unternehmen (64 Prozent) setzen mindestens eine dieser Umbaumaßnahmen um oder planen sie, bei kleineren Unternehmen jedes dritte (34 Prozent).
„Die Studie zeigt, dass größere Unternehmen bei Personalabbau, Kapazitätsreduzierung, Verlagerung und Restrukturierung deutlich häufiger aktiv sind als kleinere“, sagt Christian Säuberlich. „Wer Wachstum plant, tut das nach unserer Beobachtung häufig in Bereichen mit staatlich getriebener Nachfrage, unter anderem Verteidigung.“
Über den German Economic Pulse 2026
Für den German Economic Pulse 2026 hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch im Sommer 2026 insgesamt 151 Führungskräfte deutscher Industrieunternehmen telefonisch befragt: 37 Unternehmen aus der Automobilindustrie, 51 Maschinen- und Anlagenbauer sowie 63 Unternehmen der Branchen Chemie, Papier, Keramik und Metall (Energieintensive Industrie).
Die Ergebnisse können als repräsentativ für Unternehmen der Branchen Automotive, Maschinen- und Anlagenbau sowie Energieintensive Industrie (Chemie, Papier, Keramik und Metall) ab 10 Mio. Euro Jahresumsatz angesehen werden. Als größere Unternehmen bezeichnet diese Mitteilung Unternehmen ab 100 Millionen Euro Jahresumsatz, als kleinere Unternehmen solche mit 10 bis unter 50 Millionen Euro Jahresumsatz.
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